Interview: Rebekajunge Romni (geb. 2001)
Dieses Interview beschreibt die Erfahrungen einer jungen Romni mit Rassismus im Alltag. Es macht sichtbar, wie Diskriminierung in Schule und Gesellschaft wirkt. Leserinnen und Leser setzen sich mit aktuellen Formen von Ausgrenzung auseinander.
Personen
Rebeka
Rebeka ist eine junge Romni aus Sachsen. Sie ist in Deutschland geboren, ihre Familie stammt ursprünglich aus der Slowakei. In ihrem Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen mit Rassismus und Antiziganismus im schulischen Alltag. Dabei wird deutlich, wie Vorurteile, Ausgrenzung und fehlendes Eingreifen von Lehrkräften ihr Leben und ihr Zugehörigkeitsgefühl beeinflusst haben.
Rebeka ist eine junge Romni, die in einem kurzen Interview über ihre Erfahrungen mit Rassismus im schulischen Alltag berichtet. Ihr Beitrag ergänzt die historischen Perspektiven des Materials um eine gegenwartsbezogene Dimension.
Sie schildert konkrete Situationen, in denen sie in sächsischen Schulen mit stereotypen Zuschreibungen und abwertenden Bemerkungen konfrontiert wurde. Dabei wird deutlich, dass Diskriminierung häufig nicht offen aggressiv, sondern in Form wiederkehrender Vorurteile und subtiler Ausgrenzung auftritt. Rebeka beschreibt, wie solche Erfahrungen ihr Zugehörigkeitsgefühl beeinflussen und sie in die Situation bringen, ihre Roma-Identität zu verleugnen. Zugleich betont sie die Bedeutung von Aufklärung, Gesprächen und gegenseitigem Respekt. Ihr Interview macht deutlich, dass Schule als sozialer Raum Verantwortung trägt, Diskriminierung zu thematisieren und demokratische Werte aktiv zu leben.
Das Interview
Das erste Mal, als ich über Rassismus nachgedacht habe war in der Grundschule. Aber ich habe mich nie so richtig getraut mit jemandem darüber zu reden. Eigentlich habe ich mich immer auch so ein bisschen dafür geschämt, dass ich Roma bin.Weil es halt viele Vorurteile gibt. Ich kann an einer Hand abzählen, wer von mir weiß, dass ich Roma bin. Also eigentlich weiß fast niemand, dass ich Roma bin.
Vor zwei Jahren war ich auf einer Schule im Umland von Dresden. Meine ganze Klasse – es waren so um die 10, 11 Personen – waren alle rechts veranlagt. Da kamen ständig irgendwelche Sprüche. Wir mussten alle zusätzlich auf eine Berufsschule gehen. Und dort war auch die ganze Klasse rechts, das waren 20, 30 Mann. Die sind da einfach mit „Heil Hitler“ reingekommen. Und es wurden immer irgendwelche Sprüche gedrückt – auch direkt gegen mich. Ich war die einzige in der Klasse, die ausländisch aussah. Aber auch wenn die Sprüche nicht direkt gegen mich gingen – sowas verletzt natürlich. Die Lehrer haben einfach nicht hingeguckt und nicht hingehört. Es war denen egal. Ich war zwei, drei Monate dort in den Schulen. Länger habe ich es nicht ausgehalten. Dann bin ich einfach nicht mehr zur Schule gegangen. Jetzt bin ich auf einer neuen Schule.
Viele Jugendliche nehmen gar nicht ernst was im 2. Weltkrieg passiert ist. Ich habe sogar schon viele Jugendliche erlebt, die sich einfach darüber lustig gemacht haben. Die einfach darüber gelacht haben, was da passiert ist. In meiner Oberschule hier in Dresden haben wir mal zum 2. Weltkrieg einen Film geschaut und da haben Leute wirklich einfach richtig angefangen zu lachen. Ich kann sowas überhaupt nicht verstehen, wie man bei so etwas lachen kann. Wir sind auch nur Menschen. Wir haben auch Gefühle.
Viele wissen gar nicht, was es bedeutet, Roma zu sein. Viele kennen das gar nicht. Viele setzen sich damit gar nicht auseinander. Dabei ist es ist ein interessantes Thema. Es ist ein Thema wie Juden zum Beispiel. Im Zweiten Weltkrieg wurden Roma vergast. So wie Juden. Aber es wird nur über Juden gesprochen. Im Gesetzbuch steht, alle Menschen haben das gleiche Recht. Aber ich habe das Gefühl das wird nicht richtig durchgesetzt. Ich wünsche mir dass mehr darauf geachtet wird.
Quellen
Interview mit Leyla
Interviewerinnen: Rika und David
Interviewdatum: 03.09.2025
Weitere Materialien
Weitere Materialien und Aufgaben, die inhaltlich an dieses Material anschließen.
Arbeitsblatt:Rebeka aus Sachsen
Dieses Arbeitsblatt behandelt Erfahrungen von Rassismus im schulischen Alltag aus der Perspektive einer jungen Romni. Es zeigt, wie Diskriminierung im Alltag wirkt und wahrgenommen wird. Schülerinnen und Schüler analysieren konkrete Situationen und entwickeln Handlungsmöglichkeiten.
Arbeitsblatt:Rebeka aus Sachsen
Dieses Arbeitsblatt behandelt Erfahrungen von Rassismus im schulischen Alltag aus der Perspektive einer jungen Romni. Es zeigt, wie Diskriminierung im Alltag wirkt und wahrgenommen wird. Schülerinnen und Schüler analysieren konkrete Situationen und entwickeln Handlungsmöglichkeiten.
Einführendes pädagogisches Material
Dieses pädagogische Material bietet einen Überblick über zentrale Lerninhalte zu Antiziganismus. Es verbindet historische Zeugnisse, aktuelle Perspektiven und audiovisuelle Formate. Lehrkräfte erhalten eine strukturierte Grundlage für den Einsatz im Unterricht.