Lehrplanbezug Sachsen

Dieser Beitrag zeigt, wie die Materialien in den sächsischen Lehrplan eingeordnet werden können. Er verknüpft historische Inhalte mit politischer Bildung und aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen. Lehrkräfte erhalten konkrete Anknüpfungspunkte für den Unterricht.

Bereich

Pädagogische Materialien

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Das Interview mit Else Baker ist unmittelbar anschlussfähig an die Lehrplaneinheiten zur:

  • nationalsozialistischen Ideologie und Rassenpolitik
  • Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten
  • Konzentrations- und Vernichtungslagern
  • Holocaust und weiteren Opfergruppen

Das Interview mit Else Baker ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Völkermord an Sinti und Roma (Porajmos), der im Unterricht häufig randständig behandelt wird. Die biografische Perspektive konkretisiert historische Strukturen und ergänzt die dominierende Fokussierung auf die jüdische Verfolgung um eine weitere Opfergruppe.

Kompetenzbezug:

  • Analyse historischer Quellen (Zeitzeugeninterview als audiovisuelle Quelle)
  • Perspektivübernahme und historisches Urteilsvermögen
  • Einordnung individueller Erfahrungen in größere historische Zusammenhänge

 Anwendungsmöglichkeiten:

Gymnasium

  • Klasse 9, Lernbereich 3: Die nationalsozialistische Diktataur – ein System von Terror und Gewalt
  • Klasse 11/12 – Grundkurs, Lernbereich 2: Demokratie und Diktatur – Anspruch und Wirklichkeit von Gesellschaftsmodellen in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts
  • Klasse 11 – Leistungskurs: Lernbereich 1: Politische Ordnungsvorstellungen und politische Partizipation
  • Klasse 12 – Leistungskurs: Lernbereich 2: Formen von Geschichtskultur und Identitätsbildung

Oberschule

  • Klasse 8, Lernbereich 5: Völkermord und Kriegsverbrechen
  • Klasse 8 Wahlbereich Regional und Heimatgeschichte

Erinnerungskultur und Nachgeschichte des Nationalsozialismus

Das Interview mit Carmen Spitta knüpft an Themenfelder wie:

  • Umgang mit NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik
  • Anerkennung von Opfergruppen
  • gesellschaftliche Ausgrenzung nach 1945

Hier wird die transgenerationale Dimension von Verfolgung deutlich. Schülerinnen und Schüler können untersuchen, wie Erinnerung weitergegeben wird und welche politischen sowie gesellschaftlichen Auseinandersetzungen damit verbunden sind.

Kompetenzbezug:

  • Analyse von Geschichtsbildern
  • Bewertung erinnerungskultureller Entwicklungen
  • Reflexion über Kontinuitäten und Brüche nach 1945

Anwendungsmöglichkeiten:

Gymnasium

  • Klasse 12 – Leistungskurs: Lernbereich 2: Formen von Geschichtskultur und Identitätsbildung

Oberschule

  • Klasse 10 – Längsschnitt: Migration und Integration – Flucht und Vertreibung in der Geschichte

Grundrechte und Minderheitenschutz

Die Gespräche mit Sejnur Memishi, das kurze Interview mit Rebeka, sowie die „Train-Talks“ bieten direkte Anknüpfungspunkte zu:

  • Artikel 1 GG (Menschenwürde)
  • Gleichheitsgrundsatz (Art. 3 GG)
  • Schutz vor Diskriminierung
  • Meinungsfreiheit und ihre Grenzen
  • digitale Öffentlichkeit und Hate Speech
  • Umgang mit Minderheiten

Das Material ermöglicht eine problemorientierte Auseinandersetzung mit der Frage, wie Grundrechte im digitalen Raum wirken und wo demokratische Gesellschaften auf rassistische Diskurse reagieren müssen.

Kompetenzbezug:

  • Analyse aktueller gesellschaftlicher Konfliktfelder
  • Beurteilung politischer Maßnahmen gegen Diskriminierung
  • Argumentationskompetenz im demokratischen Diskurs

Anwendungsmöglichkeiten:

Oberschule

  • Klasse 10 – Längsschnitt: Migration und Integration – Flucht und Vertreibung in der Geschichte

Demokratiebildung und politische Partizipation

Sejnur Memishis Aktivismus kann als Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement im demokratischen Staat behandelt werden.

Mögliche Leitfragen:

  • Welche Rolle spielen Medien bei der Reproduktion von Vorurteilen?
  • Wie kann demokratische Gegenrede aussehen?
  • Welche Verantwortung tragen Individuen im digitalen Raum?

Kompetenzbezug:

  • politische Handlungsfähigkeit
  • Bewertung demokratischer Beteiligungsformen
  • Reflexion gesellschaftlicher Verantwortung

Das Material unterstützt zentrale Querschnittsziele:

  • Werteorientierung
  • interkulturelle Kompetenz
  • Medienbildung
  • politische Mündigkeit
  • Stärkung demokratischer Haltungen

Die multiperspektivische Anlage (Zeitzeugenschaft, zweite Generation, Gegenwartsanalyse, Social-Media-Formate) ermöglicht eine differenzierte Bearbeitung komplexer gesellschaftlicher Themen.

Im Folgenden werden konkrete unterrichtspraktische Szenarien dargestellt.

Einstiegsmöglichkeiten

Biografischer Zugang (Geschichte)

Einsatz: Ausschnitt aus dem Interview mit Else Baker.

Arbeitsauftrag:
  • Notieren zentraler Aussagen.
  • Einordnung der geschilderten Erfahrungen in die NS-Verfolgungspolitik.
  • Diskussion: Welche Wirkung hat ein persönlicher Bericht im Vergleich zu einem Lehrbuchtext?

Ziel: Förderung von Empathie und historischem Urteilsvermögen.

Problemorientierter Einstieg (Politische Bildung)

Einsatz: Kurzer „Train-Talk“.

Arbeitsauftrag:
  • Identifikation angesprochener Klischees.
  • Analyse: Warum sind solche Zuschreibungen wirkmächtig?
  • Transfer: Wo begegnen ähnliche Narrative im Alltag?

Ziel: Sensibilisierung für stereotype Denkmuster.

II. Vertiefungsphasen

Quellenanalyse (Sekundarstufe II)

Material: Interview mit Else Baker

Aufgaben:
  • Herausarbeitung der zentralen Erfahrungen von Else Baker‘s Verschleppungsgeschichte in einem Poster/Podcast

Material: Interview mit Carmen Spitta:

  • Herausarbeitung zentraler transgenerationaler Folgen des Völkermords an den Sinti und Roma am Beispiel von Carmen Spitta

Material: Gespräch zwischen Sejnur Mimisi und Melissa Sejdi und Interview mit Rebeka

Aufgaben:
  • Untersuchung der Rolle sozialer Medien/ Schule als politischer Raum.
  • Diskussion der Grenzen von Meinungsfreiheit.

Kompetenzschwerpunkt: politische Urteilsbildung.

Vergleichende Analyse

Aufgabe:
  • Vergleich der Perspektiven von Else Baker und Carmen Spitta.
  • Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen unmittelbarer Verfolgungserfahrung und Nachkriegsgeneration.

Ziel: Verständnis für historische Langzeitfolgen.

III. Projektorientierte Arbeit

Medienkritisches Projekt

Schülerinnen und Schüler entwickeln eigene kurze Video- oder Podcastformate, die ein gesellschaftliches Vorurteil kritisch hinterfragen.

Ziele:
  • Anwendung von Medienkompetenz
  • Reflexion über Sprache und Wirkung
  • demokratische Partizipation
Debattenformat

Thema:
„Wie sollte der Staat gegen digitale Hassrede vorgehen?“

Einbindung:
Bezugnahme auf Aussagen von Sejnur Memishi.

Ziel:
Argumentationsfähigkeit und demokratische Diskurskultur.